ACTIVATE

Erleichterung der Kommunikation und Orientierung für beatmete Intensivpatienten

Beatmete und nicht sprechfähige Pflegebedürftige benötigen Hilfe bei der Kommunikation mit Pflegenden, Behandelnden und Angehörigen. Das ACTIVATE-System soll in dieser Situation unterstützen und wird mit einem ballförmigen, einfach zu bedienenden Eingabegerät, genannt BIRDY, gesteuert. Mit Hilfe des Eingabegeräts können die Betroffenen im Aufwachprozess gezielt Bedürfnisse an das therapeutische Personal übermitteln.

MOTIVATION

Ein Aufenthalt in der Intensivstation ist mit vielen körperlichen und seelischen Belastungen verbunden. Dies gilt insbesondere für beatmete Patientinnen und Patienten, da diese kaum in der Lage sind, ihre körperlichen und psychischen Bedürfnisse, wie zum Beispiel Schmerzen, Durst oder Ängste mitzuteilen. Zugleich zeigen Forschungsergebnisse, dass eine gelingende Kommunikation mit dem Pflege- und Behandlungsteam gerade während der Entwöhnung vom Beatmungsgerät wichtig für den raschen Wiedergewinn der Orientierung und die Vermeidung von Komplikationen ist.

Bisher stehen in Intensivstationen kaum Hilfsmittel für die Kommunikation mit beatmeten Personen zur Verfügung. Das ACTIVATE-Projekt trägt dazu bei, diese Innovationslücke zu schließen, indem ein soziotechnisches System zur Unterstützung dieser Kommunikationsprozesse entwickelt wurde.

SYSTEM

Im Projekt ACTIVATE wurde eine technische Lösung konzipiert und entwickelt, welche die Kommunikation von Pflegebedürftigen mit Pflegenden erleichtern soll. Das innovative Interaktionsgerät BIRDY ist speziell auf den Nutzungskontext und die Steuerung im Intensivbett ausgerichtet. Der Pflegebedürftige nutzt BIRDY zur Steuerung und kann damit über eine Menüführung Anwendungen am Monitor auswählen.

Häufig registrierte Belastungen wie Furcht, Gefühle der Fremdheit, Identitätsverlust oder unzureichend behandelte Schmerzen in der Aufwachphase können durch die neue Interaktionsmöglichkeit des eingeschränkten Patienten vermieden werden. Die Selbstbestimmung und Lebensqualität der Betroffenen wird erhöht.

Das Projekt wurde von 2017-2020 vom BMBF gefördert. Das Konsortium bestand aus der Universität zu Lübeck (IMIS, ITM, ISE), dem UKSH Lübeck, der Firma Cognimed GmbH in Reinfeld, und der Firma Rehavista GmbH in Bremen unter dem Dach des Zentrums für Bevölkerungsmedizin (ZBV). 

Für weitere Informationen siehe Projektseite.

 

 

Aktuell wird das Projekt in COPICOH im Rahmen von Dissertationen weiter entwickelt. Damit das ACTIVATE-System für einen sicheren Einsatz in der Praxis empfohlen werden kann, sind zunächst weitere Erprobungen unter Alltagsbedingungen in Intensivstationen erforderlich.

Mittel- und langfristig kann ACTIVATE durch weitere Anwendungen ergänzt werden, wie zum Beispiel Therapiespiele im Bereich der Logo-, Ergo- oder Physiotherapie oder Entertainment-Anwendungen wie Videotelefonie, Musik- und Filmstreaming. Ebenso denkbar ist die Integration einer Simultanübersetzungsfunktion. Darüber hinaus ist zu prüfen, inwieweit das ACTIVATE-System auf andere Zielgruppen übertragen werden kann, zum Beispiel beatmete Pflegebedürftige in der häuslichen Versorgung oder in Pflegeeinrichtungen.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Katrin Balzer
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie (ISE)
+49 451 500 51262
Katrin.balzer(at)uksh.de

 

Prof. Dr.-Ing. Nicole Jochems
Institut für Multimediale und Interaktive Systeme (IMIS)
+49 451 3101 5110
jochems(at)imis.uni-luebeck.de

 

Prof. Dr.-Ing. Andreas Schrader
Institut für Telematik (ITM)
+49 451 3101 6420
schrader(at)itm.uni-luebeck.de

 

Adrienne Henkel, M.Sc.
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie (ISE)
+49 451 500 51267
adrienne.henkel(at)uksh.de

 

Börge Kordts, M. Sc.
Institut für Telematik (ITM)
+49 451 3101 6422
kordts(at)itm.uni-luebeck.de

 

Jan Kopetz
Institut für Multimediale und Interaktive Systeme (IMIS)
+49 451 3101 5130
kopetz(at)imis.uni-luebeck.de

 

Susanne Krotsetis, M. Sc.
Pflegeforschung am UKSH Campus Lübeck
+49 451 500 13613
susanne.krotsetis(at)uksh.de

 

Angelika Schley, M.A.
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie (ISE)
+49 451 500 51271
angelika.schley(at)uksh.de

 

Dipl.-Pflegewirtin Swantje Seismann-Petersen
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie (ISE)
+49 451 500 51271
swantje.seismann-petersen(at)uksh.de